Jul 28

Ich liebe diese kleinen flinken Vögelchen, die Kolibris.

Wir beobachten sie schon seit unserer Ankunft im letzten Jahr (mit einer kurzen Unterbrechung über die kühlen Wintermonate), denn hier in Kalifornien kann man unzählige dieser Flitzer sehen.

In diesem Sommer hatte ein Paar beschlossen in unserem Treppenhaus direkt am Feuersprinkler ein Nest zu bauen. Das sieht vielleicht ulkig aus.

Wir haben daraufhin immer ganz leise unsere Wohnung verlassen um sie nicht in ihren Brutbemühungen zu stören.

Ob sie nun Junge groß gezogen haben oder nicht, kann ich nicht genau sagen, da wir in der betreffenden Zeit in Deutschland weilten. Kolibris sind nämlich sehr flink in ihrer Aufzucht.

Sie brüten lediglich 1 – 2 winzige Eier aus. Die Küken schlüpfen bereits nach 15 – 19 Tagen und sind nach nur 3 – 4 Wochen flügge.

So schnell geht das!

Hier in Kalifornien haben viele Leute an ihren Häusern oder Balkonen sog. Hummingbird Feeder. Ein deutsches Wort hierfür zu finden gestaltet sich schwer also umschreibe ich es mal. Es ist ein Gefäß, in welches man eine Zuckerlösung füllt, die dann die Kolibris trinken können.

Wenn man Glück hat, nehmen die Kolibris diese Einladung an und kommen dann regelmäßig zum Trinken/Essen an den Balkon oder in den Garten.

Diese Gefäße gibt es hier in den unterschiedlichsten Formen und Austattungen. Mit Sitzstange für das Tier und ohne, aus Glas oder aus Plastik, mit Verzierung oder ohne… und und und. Man kann bei der Fülle des Angebotes nur hoffen, das für den Kolibri in der näheren Umgebung passendste Modell zu wählen.

Wir haben uns nun endlich auch einen solchen Hummingbird Feeder gekauft und nach “nur” 20 Minuten ein schönes Glasgefäß gefunden, in welches die Zuckerlösung hineingefüllt wird, welcher der Kolibri aus kleinen Metallblüten trinken kann.

Zum Glück bot der Baumarkt auch gleich noch eine dicke Flasche mit “Nektar” an. Wir haben dieses Angebot gerne angenommen, denn sonst hätten wir das ganze Zeug selbst zusammen rühren müssen. Geht aber auch.

Kaum hatten wir unseren neuen Feeder aufgehängt kam auch schon der erste Kolibri angerauscht. Keine Minute hat das gedauert. Unfassbar! Wir waren ganz hin und weg.

Nun hängt das Ding schon seit zwei Tagen und wir werden nicht müde “unserem” Kolibri Paar beim Anflug auf unseren Balkon zu zu schauen.

Ach, es ist aber auch einfach zu schön!

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Jul 27

Manchmal frage ich mich schon, wie lange es wohl dauern kann, bis man sich nicht mehr wie ein Anfänger in Kalifornien verhält. Nicht nur, dass wir entgegen besseren Wissens am 4. Juli in San Francisco ohne warme Klamotten beinahe erfroren wären, nein, nun haben wir auch das entgegen gesetzte Program in vergeigt.

Wir wollten mal wieder einen Tag am Meer verbringen und sind an den Seacliff State Park in Aptos (südlich von Santa Cruz) gefahren. Eigentlich wollten wir noch etwas weiter in Richtung Süden, aber da wir kurz hinter Santa Cruz in eine dicke Nebeldecke fuhren, entschieden wir uns kurzerhand doch eher in der Nähe der Sonne zu bleiben.

Ausgestattet mit Decken, Handtüchern, Lesestoff und einer gut gefüllten Kühltruhe suchten wir uns dann auch gleich ein schönes Fleckchen mit Blick auf die Brandung.

Der Strand hier ist ziemlich groß und breit und da es Grillplätze, Toiletten, Umkleidekabienen und einen kleinen Kiosk gibt auch sehr beliebt. Je mehr sich der Nebel verzog, desto mehr füllte sich der Strand mit Menschen und die ersten Mutigen badeten auch schon bei ca. 18°C Wassertemperatur.

Am Strand gibt es auch ein Pier. Hier wurde vor Jahren ein Schiff, die Palo Alto, als Touristen Attraktion geschleppt und sich selbst überlassen. Heute ist es nur noch ein Wrack und für Menschen nicht mehr zugänglich. Aber wie Vieles hier, wurde auch das Wrack von unzähligen Seevögeln und Seelöwen in Beschlag genommen.

So hatten wir also das Vergüngen während des Sonnenbadens den Bellenden Lauten der Seelöwen lauschen zu können. Das finde ich persönlich immer wieder wunderbar und kann gar nicht genug davon bekommen. Besonders schnuffig war es, als eine Robbe und ein Seelöwe direkt am Strand entlag schwammen und neugierig auf uns Menschen blickten. Da weiß man gar nicht genau wer wen eigentlich beobachtet. :-)

So sonnten wir so vor uns hin, bis ich bemerkte, dass das Wasser immer näher kam. Meine vorsichtigen Hinweise darauf wurden von Dirk jedoch mit einer Handbewegung abgetan und er klärte mich darüber auf, dass ja noch viele Leute vor uns näher am Wasser wären die sicherlich gehen würden, wenn dem so sei, und ich mir darüber hinaus viel zu viel Sorgen machen würde.

Wieder besseren Wissens, ließ ich mich davon überzeugen. Ich selbst hatte zudem eine Ziel, dass ich in Angriff nehmen wollte: Baden im Pazifik!

Mir wurde gesagt, dass es hier eigentlich zu kalt ist zum Baden, denn der Pazifik wärmt sich auf Grund des – ich glaube – Humboldt Stroms nicht mehr als höchstens 18°C auf. Wenn ich viel Glück hätte, könnte ich vielleicht im Juli / August mal hinein hüpfen, aber es sei halt doch sehr kalt.

Pah, jemand der Mitte Mai bei 16°C Wasser- und 20°C Außentemperatur im Freibad schwimmen kann, kann auch in den Pazifik! Wenigstens ein paar kleine Schwimmzüge wollte ich im Pazifik in diesem Sommer absolvieren und nachdem ich andere Strandgänger im Wasser sah, dachte ich mir: Das kann ich auch!

Und wie ich es konnte!!! Jaha! Ich war schwimmen! So richtig mit Tauchen!

Ok, es hat 15 Minuten gedauert, bis ich endlich drin war und dann konnte ich einer ziemlich großen Welle nicht mehr ausweichen, so dass ich nur die Möglichkeit hatte hindurch zu tauchen, aber immerhin! Einmal drin ging es dann auch sogar. Ich habe auch meine Schwimmzüge absolviert und verließ das Wasser nach stolzen 2 – 3 Minuten etwas bläulich gefroren aber glücklich.

Und ab ging es wieder zum Aufwärmen in die pralle Sonne.

Und das Wasser kam näher… Unaufhaltsam… immer näher.

Nachdem ein paar Wellen doch langsam bedenklich näher an unser Handtuchlager rollten, sprach ich Dirk nochmals auf einen mögichen Rückzug an.

Noch während er mich auf die Unnötigkeit dieser Vorsichtsmaßnahme hinwies und mich für etwas über ängstlich hielt, kam eine dicke Welle angeschwappt und spülte die Handtücher der Menschen vor uns hinweg und auch wir mussten hektisch aufspringen. Schnell den Rucksack mit der Kamera und meinem Telefon hoch gehalten (phew) und die Klamotten vor dem Wasser gerettet als dann plötzlich Dirks heiß geliebtes iPhone an mir vorbei trieb. Ich konnte es recht schnell den Fluten entreißen, aber die Sorge um das etwas angefeuchtete Goldstück überschattete von da an den restlichen Tag.

Wir zogen dann übrigens mit unseren Handtüchern um und schlugen ein neues Lager ein ganze Stück entfernt von der Brandung wieder auf. Die nassen Handtücher trockneten schnell und auch das iPhone wurde getrocknet und getestet. Es schien bis auf kleine Ausetzer einigermaßen ok, zu sein, aber die Sorge blieb.

Ich verkniff es mir vorsorglich das eigentlich fällige: “Ich hab es ja gleich gewusst” und “Hättest Du auf mich gehört, wäre das nicht passiert”. (Ich glaube Dirk hätte mich erwürgt ;-) )

So sonnten wir uns also weiter als sei nichts passiert. Nur eben ein wenig weiter weg vom Meer, weitherin ohne Sonnenschirm und keinerlei Anstalten nach Hause zu fahren.

So kam es wie es kommen musste:

Irgendwann stellten wir fest, dass wir uns wohl etwas zu selten mit der schützenden Sonnencreme eingeschmiert hatten. Wir wurden rot! Obwohl wir in den letzten Wochen häufig am Pool oder Meer gewesen waren und auch schon einen vorzeigbaren braunen Hautton angenommen haben, hätten wir uns doch mehr eincremen sollen. Die Sonne hier in Kalifornien ist halt doch etwas intensiver. Aber wer nicht hören will…

Wie die Anfänger! Echt! Als wüssten wir es nicht besser!

Also ging es nach Hause um die roten Stellen zu kühlen und uns selbst aus der Sonne zu nehmen. Keine Sonne bis auf Weiteres… Super!

Ich frage mich nur: When will we ever learn…

P.S. das iPhone funktioniert nach einer Nacht in einer Schale mit Reis übrigens wieder reibungslos. Nur die Kophörer haben das Bad im Pazifik nicht überstanden.

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Jul 26

Ach Sommer ist einfach etwas Wundervolles! Sonne, Wärme und fröhliche Menschen…Ich liebe es!

Ziemlich spontan machten wir uns Freitag vor einer Woche mit Brian und Hugh in Richtung Gilroy auf den Weg. Kurz vor diesem (außer der Outlet-Mall) unspannenden Ort ca 1 Fahrtstunde südlich von uns liegt die etwas abseits der CA-101 die Jason-Stephens Winery. Ja nicht nur im Sonoma und Napa Valley gibt es Weinanbaugebiete, sondern mehr oder weniger überall um uns herum. How convenient :-)

Nach 1 Stunde kamen wir dann bei der Jason-Stephens Winery an und machten es uns erst einmal gemütlich. Hier trafen wir Margie und Marc, bei welchen wir den Super Bowl gesehen hatten, nach langer Zeit endlich einmal wieder. Die Beiden sind wirklich lustig und hatten eine Arbeitskollegin von Margie in Schlepptau, welche ebenfalls sehr lustig war.

Die Winery veranstaltet wohl regelmäßig große Wine Tastings mit Live Music und großer Open-Air-Festival-Ähnlichen Stimmung.

Jeder bringt seine Camping Stühle mit, vielleicht noch einen Klapptisch und “testet” den hier käuflich zu erwerbenden Wein. Essen kann man entweder selbst mitbringen oder man kann sich bei einem Impiss versorgen.

So saßen wir also in der untergehenden Sonne auf unsere Klappstühlen, lauschten der Live Band und tranken Wein.

Die Band fing dann irgendwann an uralt Rock aus den 80ern und 90ern zu spielen und Brian und mir wurde erneut bewußt, wieviel Hirn-Kapazität immer noch von Songtexten aus eben jener Zeit besetzt ist. :-)

Die Stimmung wurde gemäß dem Weinkonsum auch immer ausgelassener und bald tanzten jede Menge Menschen fröhlich zur Music.

Wie alles in Kalifornien war natürlich auch dieses Ereignis zu früher Stunde beendet (22 Uhr) und wir machten uns fröhlich, teilweise beschickert, und sehr albern auf den Heimweg.

Alles in Allem ein witziger Abend und ein weiterer Punkt auf unserer “Why living in California is quite Ok” Liste. Sommer, Palmen, Wein und Live-Musik… wenn das Ganze jetzt noch direkt am Meer gewesen wäre, wäre es quasi unschlagbar gewesen.

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Jul 21

Das Baseball eine Sportart mit einem mächtig dicken Regelwerk ist, hat der Eine oder Andere vielleicht schon mal gehört, auch dass es neben den offiziellen Regeln noch für jedes Stadion eigene Regeln gibt vielleicht auch. Nun möchte ich die aktuellen Ereignisse um die San Francisco Giants heute einmal dazu nutzen, mal über eine solche Regel zu berichten, denn genau diese scheint auch dem durschnittlichen Baseball Liebhaber nicht unbedingt bekannt gewesen zu sein und hat gestern und heute für ein wenig Aufsehen in der medialen Sportberichterstattung gesorgt.

Genauer gesagt geht es um Regel 8.06 der offiziellen Baseball Regeln und Sektion 7.12 im Major League Baseball Umpire Manual.

Diese Regel bescherte den San Francisco Giants die Möglichkeit im 9. Inning, zu einem Zeitpunkt als das Spiel eigentlich schon gelaufen war, den Rückstand von 5-4 gegen die LA Dodgers (und damit einen der Erzrivalen der Giants - ich berichtete) in ein 5-7 zu drehen.

Aber was genau war passiert?

Im 9. Inning trat einer der Manager (der sog. acting manager) der Dodgers Don Mattingly in den runden Kreis des Pitchers (der, der den Ball wirft), oder in diesem Fall des sog. Closer (der letzte Pitcher einer Mannschaft, der das Spiel sozusagen nach Hause bringen soll), heran um ihm wohl ein paar letzte Anweisungen zu erteilen. Der Kreis heißt übrigens “mound”.

Beim Verlassen des “mound” fiel ihm wohl noch etwas ein und er drehte sich erneut zu seinem “Closer” um, um nochmals mit ihm zu reden. Was er dabei nicht bemerkte war, dass er bereits zwei Schritte aus dem “mound” heraus getreten war. Zwei winzige Schritte mit weitreichenden Folgen. Durch diese winzige Unachtsamkeit hatte er nun nämlich innerhalb eines Innings (nämlich des 9.) seinem Closer 2 Besuche abgestattet. Tritt ein Coach oder Manager aus dem “mound” heraus ist ein Besuch abgeschlossen. Bei einem erneuten Betreten des “mound” wird dies als unabhängiger Besuch gewertet.

Laut Regel 8.06 ist jetzt jedoch nur 1 solcher Besuch innerhalb eines Innings erlaubt.

Die Unparteiischen hatten das wohl gesehen, hätten es aber nicht weiter geahndet, denn es erschien ihnen wohl eher als Unachtsamkeit als nach einem Regelverstoß.

Alles hätte so schön sein können, hätte nicht der Manager der Giants Bruce Bochy auf den Regelverstoß aufmerksam gemacht. Nun kam was kommen musste, der Closer der Dodgers Jonathan Broxton wurde des Spiels verwiesen als Konsequenz der Regel 8.06.

So war nun der Weg für die Giants frei, noch schnell 3 Punkte gegen die Dodgers zu erzielen und am Ende das Stadion als Sieger zu verlassen.

Hier gibt es die Geschichte noch mal zum nachlesen: San Francisco Chronicle und auf der Giants Website.

Das Pikante an der Geschichte, neben der ohnehin schon bestehenden Rivalität zwischen den Giants und Dodgers, ist die Tatsache, dass eben jener Bruce Bochy, Manager der Giants, im selben Stadion im Jahr 2006 die selbe Regel gegen den damaligen Manager Grady Little der – jawoll! – Dodgers ins Spiel brachte und der damalige Pitcher der Dodgers des Platzes verwiesen wurde.

Tja, so kann es gehen. Dieser Vorfall resultierte jedoch in weiteren hässlichen Szenen, ausgehend von den Dodgers, was letztendlich dazu führte, dass nun insgesamt 3 Dodgers von den nächsten Spielen ausgeschlossen sind (das gibt es hier zum nachlesen).

Ich habe so eine Ahnung, dass die längste bestehende Rivalität zweier Teams in der Geschichte des Major League Baseballs auch in absehbarer Zukunft nicht begelegt werden kann ;-)

Für alle Baseball Fans gibt es auf der website der MLB die Regeln übrigens als PDF zum Download. Viel Spass beim Stöbern.

Da diese ganzen Regeln auch mir nicht geläufig sind, hoffe ich, dass ich die ganze Geschichte richtig verstanden und weitergegeben habe…Ich freue mich wie immer über Kommentare und ggf. Berichtigungen.

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