Aug 31

…oder warum ich schon wieder eine neue Sprache lernen muss.

Ich erinnere mich noch gut an die Schulzeit, als (zumindest in meiner war es so) uns im Englisch Unterricht erzählt wurde, wir würden hier “Oxford English” lernen und nicht “American English”

Aha, und wo ist da der Unterschied? fragte ich mich damals noch ganz blauäugig.

Ok, dass Lied von den Tomaten und Kartoffeln haben wir auch gelernt und über die verschiedene Aussprache gelächelt, auch war mir bewusst, dass man hier in den USA den Nachbarn ohne “u” schreibt und in UK mit (neighbor and neighbour) und das gleiche einem bei der Farbe (color and colour) wieder begegnet, aber von der ganzen Tragweite dieser Differenzierung zwischen “American English” und “British English” ahnte ich nichts.

Kaum in London angekommen merkte ich damals ziemlich schnell, dass das Englisch, was wir in der Schule gelernt hatten, mit dem tatsächlich hier Gesprochenen nur entfernt etwas zu tun hatte. Klar die Schreibweise war die selbe aber die Aussprache war meilenweit von allem entfernt was ich je in der Schule gehört hatte.

Zunächst einmal wurde mir erklärt, dass es etwas vergleichbares wie das Hochdeutsch im Englischen nicht existiert. Am ehesten würde man das, was man in der Schule lernt mit dem vergleichen, was bei der BBC also dem größten TV-Sender Großbritanniens, gesprochen würde. Also nicht “Oxford English” haben wir gerlent sondern “BBC English”. Aha, wie auch immer.

Dazu kamen dann diverse englische Dialekte die das Verstehen nicht vereinfachen. Langsam dämmerte es mir, wie schwer es ein Ausländer in Deutschland haben muss, wenn er zwischen Hamburg und München unterwegs ist.

Erstaunlicherweise hört man sich mit der Zeit aber auch hier ein und am Ende unseres zweijährigen Aufenthaltes in London konnte ich immerhin anhand der Aussprache erkennen, ob jemand aus Schottland, Irland, Wales, Nordengland, Ost- oder Westengland und Südengland stammte.

Viel bemerkenswerter hingegen war die Tatsache, dass sich wohl einige amerikanische Worte in mein Englisch geschlichen hatten. Wahrscheinlich lag dies an diversen USA – Reisen, der Musik und Filmen welche ich wohl überwiegend aus den USA konsumierte.

So wurde ich in London einmal auf meine Frage wo denn die “Restrooms” seien schnippisch gefragt, warum denn jemand an einem solchen Ort eine Pause (rest) haben wollte.

Whatever! Ich halso mein Vokabular geändert in “toilet, ladies room, loo”.

Das nächste Hürde galt es zu überwinden, als wir uns einen Mietwagen gönnten und tanken mussten. Nachdem wir nach der “gas station” fragten bekamen wir nur verständnislose Blicke bis ein cleverer Geist meinte, ob wir eine “petrol station” suchten.

Aha, wieder was gelernt. Gut also “petrol station”. Mit der Zeit passt man sich dann seiner Umgebung an und erweitert seinen Wortschatz um viele viele neue Vokabeln.

Dann der Kulturschock.

Nach dem Umzug in die USA dachte ich noch so bei mir: Haha! Ich kann ja jetzt viel besser Englisch als noch vor zwei Jahren. Das dürfte ja dann kein großes Problem mehr sein.

Ha, falsch gedacht! Klar hatte sich den Wortschatz vergrößert, aber mit British English. Nun sind wir hier aber in den USA und wenn jemand einen Einkaufswagen sucht, dann fragt man besser nicht nach dem “trolley” (denn der ist hier eine Art Straßenbahn oder Tram) sondern nach einem “shopping cart”. Nun ist auch wieder der “restroom” und die “gas station” in und Worte wie “bollocks” oder “loo” erheitern die Menschen hier eher.

Von “my luv” wurde ich nun zu “honey” oder “sweety” und über die diversen Ausdrucksformen von belegten Brötchen möchte ich mich gar nicht erst auslassen.

Auch hier gilt es für mich nun die verschiedenen Dialekte zu verstehen und neu zu lernen, aber zum Glück ist das hier nicht ganz so schwierig wie in UK.

Wobei ich sagen muss, so ein heftig Southern Accent bringt einen schon an den Rande des Machbaren.

So lerne ich also nun eine weitere Sprache und obwohl ich eigentlich den britischen Klang in der Stimme lieber höre als das breite american english, so lebe ich nun hier und passe mich an.

Um mit den Worten von dem Briten Oscar Wilde zu enden:

“We have really everything in common with America nowadays, except of course, language.”

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