May 25

Die Sonne war Donnerstag genauso früh wach wie wir und so stand einem Tag Bergwandern nichts im Wege.

Der beliebte Mist Trail sollte es sein, denn hier wurde uns ein tolles Panorama versprochen und je nachdem wie weit wir nach “oben” klettern wollten ein mehr oder weniger anstrengender “Hike” (wie man hier so schön zum Wandern sagt).

Ausgerüstet mit einem Rucksack voller Fotoequipment und Einem voller Gestränke und Vesper ging es dann zunächst vom Yosemite Village Parkplatz mit dem Shuttle über Curry Village zum Fuße des sog. Mist Trails. Der Trail wird als “moderate to strenuous” beschrieben, je nachdem wie weit man wandert. Entlang am Wasser geht es dann erst einmal auf einem schmalen, aber sehr schönen Weg langsam den Berg hoch, vorbei an riesigen Felsbrocken, durch wundervolle Baumhaine mit jeder Menge fantastischer Aussichten auf die umliegenden Berge mit unzähligen Wasserfällen und einer atemberaubenden Landschaft.

Nach etwas mehr als 1km bergauf kommt man dann an einer kleinen Brücke über den Merced River an, von wo aus man einen ganz tollen Blick auf den Vernal Fall, einen der wenigen ganzjährigen Wasserfälle des Yosemite Parks hat.

Hier machten wir es uns dann auch erst einmal gemütlich und hatten jede Menge Spass dabei zuzusehen wie mehrere Gruppen von kleinen Kindern (ca.6-8 Jahre alt) mit Rangern ebenfalls hier Pause machten. Die Kids waren super leise, sehr ordentlich und haben an den Lippen der Ranger gehangen, die ihnen erklärten, wie man sich in den Bergen verhält und wie wichtig es ist, keinen Müll oder Essensreste liegen zu lassen. Es war wirklich faszinierend zu sehen, wie eine Horde Kinder so geordnet einen Platz erreicht und genauso wieder abzieht. Einfach fantastisch. So lernten wir gleich mit, dass man keine Krümel und Essensreste zurück lassen soll, da diese neben Eichhörnchen und Vögeln eben auch Schwarzbären anlocken und dies für Mensch und Tier nicht gerade schön werden kann. Überdies werden die Tiere dann an das Essen gewöhnt und werden zu faul selbst für sich zu sorgen. Natürlich wurde auch darauf hingewiesen dass man den ganzen Mülle einsammeln muss, da Tiere diesen ebenfalls fressen und krank werden können.

Ach ja, hab ich schon erwähnt dass überall Hinweise zu finden sind wie man sein Essen und seine Getränke verpacken muss, damit die Bären nicht kommen? Und Warnungen, dass man niemals Essen und Getränke in seinem Auto lassen soll, eben wegen der Bären? Und habe ich schon erwähnt wie man sich verhalten soll wenn man einem Bären begegnet oder einem Mountain Lion?

Bei letzterem ist es wichtig sich möglichst “groß” zu machen. Also Jacken auf und damit herumwedeln, mit dem Armen fuchteln, Kinder auf den Arm nehmen, laut sein und dem Tier in die Augen blicken. Und das wichtigste: “When it attacks – fight back”

Ja, nee, is klar! Ich haue so einem Mountain Lion oder auch Puma auf die Nase…schon klar….

Naja, bei dem Bären soll man sich ähnlich verhalten, wobei das mit dem Zurückkämpfen hier nicht erwähnt wird. In jedem Fall gilt: Niemals wegrennen! Unter gar keinen Umständen!!!

Ich hatte mir ja den Plan zurecht gelegt, dass ich dem Bären einfach all meine mitgebrachten Donuts entgegen werfe um ihn so abzulenken. Naja, wir haben auf jeden Fall in all den Tagen weder Bären noch Mountain Lions gesehenk, wobei wir uns sicher waren, dass selbige uns sehr wohl beobachteten.

Aber zurück zum Mist Trail.

Nach einem gemütlichen Lunch und einem ordentlichen Aufräumen hinterher, machten wir uns weiter auf dem Weg zum Vernal Fall. Nun ging es ziemlich steil weiter den Berg hinauf, aber mit vielen kleinen und größere Pausen ist das auch für einen Wanderanfänger und Stadtkinder machbar.

Auf unserem Weg hatten wir natürlich auch wieder jede Menge atemberaubender Aussichten auf die umliegenden Berge, den wilden Merced River und natürlich den Vernal Wasserfall.

Und dann kamen die Stufen.

Als wir so unterhalb des Wasserfalls auf die letzten 100 HÖHENmeter schauten, dachten wir mit unseren bereits müden Beinen. “Ach, wir haben es bis hierhin geschafft, weiter als wir dachten, den Rest schaffen wir auch”

Oh Mann! Das war vielleicht anstrengend! Uff!

Also, direkt am Fuße des Wasserfalls beginnen also die Steinstufen hinauf zum Anfang des Vernal Wasserfalls. Entlang der Felswand schlängelt sich ein steiler Weg aus mehr oder weniger festen Steinbrocken die eine Art Treppe bilden. Die Stufen sind hier nicht nur unregelmäßig im Abstand, nein auch in der Höhe. So sind die meisten Stufen doppelt und dreifach so hoch wie bei einer normalen Treppe, was man ziemlich schnell in den Oberschenkeln zu spüren bekommt.

Das Ganze wird noch dadurch versüsst, dass der Pfad meist weniger als 1m breit und klitsche klatsche nass ist. Man läuft/klettert hier neben dem Wasserfall die Felswand hoch, so dass man von seiner Gischt so richtig besprüht wird. Man selbst wird dabei nicht nur so richtig nass bis auf die Knochen, nein die Steinbrocken sind auch noch richtig schön glitschig. Das Ganze wird dann noch besonders hübsch dadurch, dass es auf der einen Seite des Weges steil hinab in den sich hier über und durch Stock und Stein ins Tal stürzenden Merced River geht.

Eine super tolle Mischung, die schon so einigen Wanderern zum Verhängnis wurde.

Nun gut, wir also dort hoch geklettert. Nach vielleicht 100 Stufen, war ich dann auch kurz davor zu weinen. Die Beine schmerzten, die Puste war ausgegangen und durch das Naß war mir auch noch richtig kalt. Eine Pause mit Hinsetzen kam nicht in Frage, es war ja weder Platz noch ein trockenes Örtchen zu finden. Ich sah nur Stufen. Vor mir und hinter mir….

Aber irgendwie schleppte ich mich dann weiter und irgendwann sah ich dann ein etwas breiteres Plateau mit ein paar Bäumen, die das Wasser vom Weg fernhielten. Hier war mein Hafen, meine Rettung, mein Rastplatz. Haha!

Ziemlich kaputt sanken Dirk und ich dann dort danieder, neben weiteren Wanderern, denen es genauso ging wie uns.

Also machten wir hier erst einmal eine wirklich lange Pause. Wir hatten nun etwas mehr als die Hälfte der Stufen nach Oben geschafft, aber wie uns erzählt wurde und wir auch sehen konnten, war es bis hierher der weniger steile Part der ganzen Geschichte.

Ich weiß nicht genau wie, aber irgendwie haben wir es geschafft uns aufzuraffen und das letzte Stück Weg auch noch zu meistern.

Nach einem erneuten Fast-Weinkrampf und dem Gefühl mich gleich übergeben zu müssen haben wir es dann schlussendlich geschafft und sind am Kopf des Wasserfalls angekommen.

Stolz und total fertig wurden wir für unsere Qualen aber mit einem wundervollen Blick belohnt. Einfach traumhaft! Und dann der wundervolle Sonnenschein! Einfach wunderbar.

Hier machten wir natürlich auch erst einmal eine ausgiebige Pause, bis wir uns dann noch ein Stückchen weiter den Berg hoch quälten.

Hier oben angekommen kann man, wenn man denn noch Kraft und Willen hat, weiter bis zum nächsten Wasserfall, dem Nevada Fall wandern. Aber wir beschlossen, dass Wasserfälle von Unten betrachtet sowieso beeindruckender sind als von Oben und darum begnügten wir uns mit der Aussicht auf diesen Wasserfall.

Aber die Landschaft hier oben am Kopfe des Vernal Falls war auch wirklich wundervoll. Der Merced River bildete hier den sog. Emerald Pool bevor er sich in die Tiefe stürzt. Baden sollte man dort darum nicht, auch wenn jedes Jahr ein paar Verrückte meinen sie müssten da hinein springen.

Tztztz

Nun gut, irgendwann fiel uns dann auf, dass wir ja wieder runter mussten. Nun hatten wir die Wahl den kurzen Weg über die zuvor hoch gekletterte Steintreppe zu nehmen oder den 2 1/2 mal so langen Weg über den Muir Trail quasi “hinten” herum. Da wir aber Mühe hatten den Muir Trail zu finden, entschieden wir uns für den Abstieg über die Stufen.

Runter ging es einfacher, aber die vom Aufstieg ziemlich geschwächten Oberschenkel und Waden waren nun keine große Hilfe mehr, das eigene Gewicht mit Würde und Sicherheit hier herunter zu tragen.

Nach ein paar Stufen fingen dann auch noch die Knie an zu meckern und wir merkten deutlich jedes einzelne Jahr unseres Alters.

Aber als wir dann unten ankamen, waren wir doch ziemlich stolz auf das von uns Geleistete, denn als solche Stadtkinder und Flachlandtiroler war es wirklich ziemlich anstrengend gewesen.

Da es an diesem Tag aber so wunderschönes Wetter gab, konnten wir es uns nicht entgehen lassen, noch einmal zum Tunnel View zu fahren und das Yosemite Valley in der Abendsonne zu bestaunen und natürlich ausgiebig zu fotografieren. So ohne Regen und mit Berggipfeln sah es dann doch noch einmal ganz anders aus, und wir waren froh, dass wir trotz schmerzender Beine noch einmal aus dem Auto gefallen sind.

Irgendwie haben wir es dann noch zurück ins Hotel geschafft und am Freitag erwachten wir Beide dann mit einem Muskelkater epischen Ausmaßes. Aber es hat sich gelohnt und man will ja auch wissen, was man so tolles geschafft hat. Ach ja, nach nun fast einer Woche merke ich den Muskelkater auch nur noch ganz leicht, obwohl Treppen immer noch nicht wieder meine Freunde sind ;-)

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