Jan 25

Was für ein fabelhafter Sonntag. Kurzentschlossen machten wir uns auf den Weg nach Santa Cruz um die frühlingshaften Temperaturen (21°C)  zu genießen.

Nachdem wir die Surfer mal wieder ausgiebig bestaunt hatten, fuhren wir langsam in Richtung Norden auf dem Highway No.1 weiter um uns an einem schönen windgeschützten Strand in die Sonne zu legen.

Als wir jedoch am Ano Nuevo State Reserve vorbei kamen, sollte unser Ausflug sich in eine ganz andere Richtung wenden.

Wir wussten, dass man hier von Mitte Dezember bis Ende März auf geführten Wanderungen See Elefanten bei der Aufzucht ihrer Jungen und bei der Paarung bewundern kann, allerdings war es uns noch am morgen unmöglich gewesen telefonisch eine solche Tour für den selben Tag zu reservieren.

Dies muss man nämlich mindestens 1 Tag vorher machen und kostet lediglich $7 pro Person (sehr günstig wie ich finde für das was man geboten bekommt). Wir waren schon etwas enttäuscht gewesen weil wir am Telefon abgewimmelt wurden, versuchten unser Glück aber einfach noch einmal vor Ort. Und siehe da, wir wurden auf die “Warteliste” gesetzt und nach nur 15 Minuten fand sich ein Plätzchen für uns in einer Führung. Juchhuh!

Auch wenn man Ano Nuevo das ganze Jahr hindurch besuchen kann (Parkgebühren= $ 10 pro Auto) und auch See Elefantenbestaunen kann, so gibt es nur von Mitte Dezember bis Ende März geführte Touren (anders kann man in dieser Zeit auch nicht zu den See Elefanten, da alles abgesperrt ist). Der Guide Namens Don, der aussah wie ein ein Cousin von Reinhold Messner, erzählte uns, dass dies sowohl zur Sicherheit der See Elfanten dient als auch zur Sicherheit von uns Menschen. So ein See Elefant Männchen wiegt nämlich schon mal bis zu 2 1/2 Tonnen und kann sich ebenso schnell fortbewegen wie ein Mensch. Darum muss man auch jeder Zeit einen Abstand von 25 Fuß (ca. 7,6 Meter) zu den Tieren halten, da dies genau die Entfernung ist, die diese Tiere in den 2-3 Sekunden in denen sie die Kraft zur Fortbewegung haben auch fortbewegen können.

Vom Visitor Center aus geht es dann erst einmal 20 Minuten durch eine Heideartige Landschaft und für uns das Ganze auch noch bei frühlingshaften Temperaturen und im wundervollen Nachmittagslicht.

An einer weiteren Station wurden wir dann von unserem Guide in Empfang genommen und nach einer kurzen Einführung in die Verhaltensregeln im See Elefanten Gebiet ging es dann auch schon los über Berg und Stein und wundervolle riesige Sanddünen. Allein die Landschaft ist einfach wundervoll.

Wir erfuhren hier, dass das Gebiet vor mehr als 200 Jahren von Indianern und dem kalifornischen Grizzly Bären bewohnt war. Da der Grizzly Bär allerdings Seelöwen, Robben und auch See Elfanten Junge frisst, gab es bis zu dessen Ausrottung hier gar keine dieser Tiere. Sie blieben lieber in Mexico wo sie sicherer waren vor diesem Fressfeind.

Tja, wer hätte gedacht, dass die Ausrottung eines Tieres gleichzeitig ein ideales Gebiet für andere erschafft.

Die See Elfanten, zusammen mit tausenden von See Löwen, Vögel und Robben ließen sich zunächst auf der verlassenen Insel vor Ano Nuevo nieder. Hier gab es früher einen Leuchtturm inklusive Wohnhäuser für den Leuchtturmwärter, Familie und Angestellte. Aber heute ist es verlassen und die Ruinen sind längst von den Tieren in Beschlag genommen worden. Manchmal kann man angeblich See Löwen sogar aus den Fenstern des oberen Stockwerkes schauen sehen. Stell ich mir ja lustig vor.

Danach begannen die See Elfanten in den 70er Jahren auch das Festland in Beschlag zu nehmen und so wurde 1975 das erste Junge auf dem Festland geboren. Ano Nuevo ist heute eine der größten Ansammlung von See Elfanten auf dem Festland weltweit.

Im Dezember kommen zunächst die Männchen um ihre Gebiete festzulegen, denn die Weibchen entscheiden sich je nach Lage des Brutplatzes für das Männchen, nicht nach dessen Größe oder Aussehen. Don erklärte uns: “it’s all about real estate”. Das das Abstecken des Territoriums nicht ohne Kämpfe von Statten geht, versteht sich dabei ja wohl von selbst.

Die Weibchen kommen dann so gegen Ende Dezember und bekommen nun erst einmal ihre Jungen (bis ca Mitte März),welche sie vor ca 1 Jahr empfangen haben. See Elefanten Weibchen säugen ihre Jungen ca 4-6 Wochen und dann verlassen sie sie. Die sog. “weaners” fangen dann an das Schwimmen zu lernen während ihre Mütter bereits dabei sind sich zunächst das Gewicht was sie während der Stillzeit verloren haben (ca. 1/3 des Körpergewichts) wieder drauf zu futtern und sich direkt wieder mit den Männchen zu paaren. Sehr interessant ist, dass die Weibchen zwar erneut Nachwuchs empfangen können, das befruchtete Ei nistest sich aber erst in den Uterus ein, wenn das Weibchen wieder dick und fett geworden ist. D.h. es kann 2-3 Monate dauern, bis sich das befruchtete Ei nach der Emfpängnis  einnistet . Sehr spannend!

Um dann nun eben ihre Jungen zu bekommen, kommen die Weibchen an Land. Wenn man denen so zu schaut, wie sie so über den Sand wursten (mir fällt einfach kein besserer Ausdruck dafür ein) dann muss man schon feststellen, dass See Elefanten nicht wirklich für das Landleben gemacht sind. Sieht alles sehr sehr ungeschickt und mehr als nur unelegant aus. Aber schnell sind die trotzdem.

So ein junger Bulle kam uns ziemlich nah. Der walzte sich so zu sagen direkt in unseren Weg. Meine Beine wollte schon abhauen, aber der Guide blieb einfach stehen und so blieb auch ich mutig vielleicht 2Meter von dem Tier entfernt stehen. Immerhin hab ich so ein paar schöne Fotos schießen können. Dieser Bulle war wirklich riesig, auch wenn er noch recht jung war und noch nicht groß und alt genug um mit den anderen Männchen um ein Harem zu kämpfen.

Naja, mich hat er schon beeindruckt :-D

Während wir dort waren durften wir auch Zeugen einer Geburt werden. Wir haben zwar nicht wirklich den Vorgang beobachtet, aber der Guide zeigte uns eine Stelle wo plötzlich ganz viele Möwen aufgeregt hinflogen und etwas aufpickten. Er erklärte uns, dass die sich nun eben um die Nachgeburt kümmern würden und so bliebe alles schön sauber und reinlich dort am Strand.

The Circle of Life also (jeder der jetzt mit dem singen anfängt: das war beabsichtigt ;-) )

Einen Kojoten sahen wir übrigens auch am Strand entlang wandern. Als Aasfresser stellt er keine Bedrohung für die See Elefanten “pups” (= die babies) dar aber sah neben den riesigen Bullen eher wie ein Chihuahua aus als ein kleiner Wolf.

Natürlich wurden wir auch Zeugen von diversen kleinen Raufereien bzw kurzen Ansagen wer hier der Boss auf dem Strand ist. Die See Elefanten Bullen machen ein ziemlich merkwürdiges Geräusch, dass ein wenig an diese alten Traktoren erinnert. So ein klackerndes Blubbern. Fast schon mechanisch. Und das kann man ziemlich weit hören und so begleiteten uns diese Geräusche auf unserem Rückweg bis fast zum Auto.

Der ganze Spass dauerte 2 1/2 Stunden und hat sich mehr als gelohnt. Kann ich nur jedem empfehlen, der hier mal zu vorbei kommt, auch Ano Nuevo zu besuchen. Ist ein tolles Erlebnis.

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Sep 27

Point Reyes National Seashore ist ein auf einer Halbinsel gelegenes Naturschutzgebiet etwa 55km nördlich von San Francisco im Marin County und ein guter Ort für Wanderer, Vogelbeobachter und Mountain Biker.

Die Fahrt hierhin ist schon bemerkenswert, denn man fährt auf dem wundervollen Highway No.1 in Richtung Norden durch Wälder, an Lagunen vorbei, entlang der Pazifikküste und durch kleine verwunschene Orte. Hier liegt auch der wunderschöne Strand von Muir und die bei Wanderern beliebten Wälder der Muir Woods.

Nach ungefähr 30 – 45 Minuten Fahrt kommt man dann durch den Ort Olema. Lange Zeit dachte man, dass Olema das Epizentrum des großen Erdbebens von 1906 war, welches San Francisco fast völlig zerstörte, aber heute weiß man, dass das Epizentrum eher im Meer vor Daly City (etwas südlich von SF) lag.

Nichts desto trotz gibt es hier einen Earthquake Trail, welchen man entlang wandern kann und dann über die mit Pfosten kenntlich gemachte San Andreas Falte laufen kann. Eigentlich eher langweilig und wenig beeindruckend aber immerhin eine Möglichkeit mit einem Bein auf der Pazifischen und mit dem anderen auf der Nordamerikansichen Platte stehen zu können.

Die Point Reyes Halbinsel liegt nämlich auf der Pazifischen Platte, welche nach Norden driftet, während das restliche Kalifornien (und die USA) auf der Nordamerikansichen Platte langsam nach Süden wandert. Beide sind voneinander durch die San Andreas Falte getrennt. Und die ist es, die hier häufig zum Wackeln der Erde führt (aber es gibt noch jede Menge kleinere Spalten, die Ihr übriges dazu beitragen).

Olema war dann auch der erste Punkt auf unserer sonntäglichen Tour. Ich war ja schon bereits zum 3. Mal in dieser Gegend, aber ich habe sie noch nie mit Sonnenschein gesehen. Immer nur bewölkt, nebelig und mit Regen. Ich bin ja mal gespannt, ob ich es irgendwann noch einmal schaffe, Sonne hier sehen zu dürfen. Aber darauf konnten wir nicht warten, denn Stefan sollte am nächsten Tag wieder abreisen. Also ging es trotz schlechtem Wetter in Richtung Norden.

Nachdem wir uns den Earthquake Trail angeschaut hatten, sind wir dann weiter in Richtung Leuchtturm gefahren. Wir wussten ja, dass dieser sich ganz am äußersten Zipfel der Halbinsel befindet, aber es war dann doch ein ziemlich langer Weg dorthin (noch einmal gut 30 – 40 Minuten). Aber sehr spannend. Zunächst fährt man durch kleinere Siedlungen, Bäume und am Wasser entlang und dann geht es langsam etwas bergauf in kales Gelände mit alten (“historischen”) Farmen (die sahen vielleicht gruselig aus – da möchte ich nicht wohnen müssen), vielen Kühen und viel Gestrüpp.

Während wir so vor uns hin fuhren wurde dann der Nebel immer dichter und dichter. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Das war vielleicht eine Suppe. Man konnte kaum noch 10 Meter weit sehen. So passierte es denn auch, dass wir uns ziemlich erschrocken haben, als plötzlich so neben der Straße ein Reh stand. Einfach so. Kauend. Friedlich und ohne Scheu.

Hui, zum Glück ist das nicht vor das Auto gesprungen. Das hätten wir niemals rechtzeitig gesehen.

Von da an ging es etwas vorsichtiger weiter und wir konnten am Straßenrand immer wieder Rehe sehen, die sich in dem dichten Nebel wohl fühlten. Irgendwann tauchte dann plötzlich ein Parkplatz im Nebel auf. Überrascht stellten wir fest, dass noch ein paar Leute mehr, den Leuchtturm anschauen wollten. Vom Parkplatz aus geht es dann zu Fuß weiter. Zunächst ungefähr 1km über die Hochebene stapfen – im Nebel! Das Meer hörten wir zwar, sehen konnten wir es aber nicht. Das war schon lustig wie wir da so blind durch die Gegend liefen. Man konnte noch nicht einmal sehen, wohin der Weg führen würde.

Irgendwann kamen wir dann ein paar Gebäuden an. Ein Wohnhaus!!! und ein zum Leuchtturm gehöriges Gebäude mit nun einem Museum im Inneren.

Aber wo war der Leuchtturm? Hier jedenfalls nicht, aber wir konnten ja auch keine 10 Meter weit sehen.

Dann ein Schild! Auf dem Schild stand gelesen, dass man zum Leuchtturm eine Treppe hinabsteigen müsste, welche mehr als 300 Stufen habe. Der Abstieg sei in etwa so, als würde man ein 30 stockiges Hochhaus hinunter laufen. Na prost Mahlzeit. Wir sahen ja gerade mal die ersten 5 Meter von der Treppe. Wohin sie führte? Keine Ahnung. Wie steil sie war? Keine Ahnung. Alles schön im Nebel verschwunden.

Irgendwann tauchten dann schnaufende und nach Luft japsende Menschen aus der dichten Nebelsuppe auf, die tatsächlich runter – und wieder hoch! – gelaufen sind.

Deren Anblick bewog mich dazu, oben auf der “Aussichtsplattform” auf Dirk und Stefan zu warten, die tapfer die Herausforderung annahmen. Ich unterhielt mich derweil mit einer älteren Dame aus Chicago, welche mir ihre Heimatstadt als Ausflugsziel wärmstens empfahl. Während wir uns so unterhielten bemerkte ich plötzlich, dass sich der Nebel etwas gelichtet hatte. YAY!

Nun konnte ich das Meer sehen und sogar den Leuchtturm. Als ich mir die Treppe hinunter so betrachtete war ich ziemlich froh, dass ich mir das nicht angetan hatte.

Und schon zog der Nebel wieder zu. Haha! Immerhin ein kurzer Blick auf die Umgebung bevor alles wieder in der dicken grauen Suppe verschwand. Aber wie ich noch erfahren durfte, ist dieser Ort der Windigste am Pazifik und der Zweitnebeligste auf dem amerikanischen Kontinent.

Kein Wunder also, dass wir da durch die Suppe gefahren sind.

Schee wars aber dennoch.

Ach ja, die Herren kamen dann irgendwann mehr oder weniger erschöpft wieder oben auf dem Berg an und wir konnten unseren Ausflug beenden. :-)

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Jul 27

Manchmal frage ich mich schon, wie lange es wohl dauern kann, bis man sich nicht mehr wie ein Anfänger in Kalifornien verhält. Nicht nur, dass wir entgegen besseren Wissens am 4. Juli in San Francisco ohne warme Klamotten beinahe erfroren wären, nein, nun haben wir auch das entgegen gesetzte Program in vergeigt.

Wir wollten mal wieder einen Tag am Meer verbringen und sind an den Seacliff State Park in Aptos (südlich von Santa Cruz) gefahren. Eigentlich wollten wir noch etwas weiter in Richtung Süden, aber da wir kurz hinter Santa Cruz in eine dicke Nebeldecke fuhren, entschieden wir uns kurzerhand doch eher in der Nähe der Sonne zu bleiben.

Ausgestattet mit Decken, Handtüchern, Lesestoff und einer gut gefüllten Kühltruhe suchten wir uns dann auch gleich ein schönes Fleckchen mit Blick auf die Brandung.

Der Strand hier ist ziemlich groß und breit und da es Grillplätze, Toiletten, Umkleidekabienen und einen kleinen Kiosk gibt auch sehr beliebt. Je mehr sich der Nebel verzog, desto mehr füllte sich der Strand mit Menschen und die ersten Mutigen badeten auch schon bei ca. 18°C Wassertemperatur.

Am Strand gibt es auch ein Pier. Hier wurde vor Jahren ein Schiff, die Palo Alto, als Touristen Attraktion geschleppt und sich selbst überlassen. Heute ist es nur noch ein Wrack und für Menschen nicht mehr zugänglich. Aber wie Vieles hier, wurde auch das Wrack von unzähligen Seevögeln und Seelöwen in Beschlag genommen.

So hatten wir also das Vergüngen während des Sonnenbadens den Bellenden Lauten der Seelöwen lauschen zu können. Das finde ich persönlich immer wieder wunderbar und kann gar nicht genug davon bekommen. Besonders schnuffig war es, als eine Robbe und ein Seelöwe direkt am Strand entlag schwammen und neugierig auf uns Menschen blickten. Da weiß man gar nicht genau wer wen eigentlich beobachtet. :-)

So sonnten wir so vor uns hin, bis ich bemerkte, dass das Wasser immer näher kam. Meine vorsichtigen Hinweise darauf wurden von Dirk jedoch mit einer Handbewegung abgetan und er klärte mich darüber auf, dass ja noch viele Leute vor uns näher am Wasser wären die sicherlich gehen würden, wenn dem so sei, und ich mir darüber hinaus viel zu viel Sorgen machen würde.

Wieder besseren Wissens, ließ ich mich davon überzeugen. Ich selbst hatte zudem eine Ziel, dass ich in Angriff nehmen wollte: Baden im Pazifik!

Mir wurde gesagt, dass es hier eigentlich zu kalt ist zum Baden, denn der Pazifik wärmt sich auf Grund des – ich glaube – Humboldt Stroms nicht mehr als höchstens 18°C auf. Wenn ich viel Glück hätte, könnte ich vielleicht im Juli / August mal hinein hüpfen, aber es sei halt doch sehr kalt.

Pah, jemand der Mitte Mai bei 16°C Wasser- und 20°C Außentemperatur im Freibad schwimmen kann, kann auch in den Pazifik! Wenigstens ein paar kleine Schwimmzüge wollte ich im Pazifik in diesem Sommer absolvieren und nachdem ich andere Strandgänger im Wasser sah, dachte ich mir: Das kann ich auch!

Und wie ich es konnte!!! Jaha! Ich war schwimmen! So richtig mit Tauchen!

Ok, es hat 15 Minuten gedauert, bis ich endlich drin war und dann konnte ich einer ziemlich großen Welle nicht mehr ausweichen, so dass ich nur die Möglichkeit hatte hindurch zu tauchen, aber immerhin! Einmal drin ging es dann auch sogar. Ich habe auch meine Schwimmzüge absolviert und verließ das Wasser nach stolzen 2 – 3 Minuten etwas bläulich gefroren aber glücklich.

Und ab ging es wieder zum Aufwärmen in die pralle Sonne.

Und das Wasser kam näher… Unaufhaltsam… immer näher.

Nachdem ein paar Wellen doch langsam bedenklich näher an unser Handtuchlager rollten, sprach ich Dirk nochmals auf einen mögichen Rückzug an.

Noch während er mich auf die Unnötigkeit dieser Vorsichtsmaßnahme hinwies und mich für etwas über ängstlich hielt, kam eine dicke Welle angeschwappt und spülte die Handtücher der Menschen vor uns hinweg und auch wir mussten hektisch aufspringen. Schnell den Rucksack mit der Kamera und meinem Telefon hoch gehalten (phew) und die Klamotten vor dem Wasser gerettet als dann plötzlich Dirks heiß geliebtes iPhone an mir vorbei trieb. Ich konnte es recht schnell den Fluten entreißen, aber die Sorge um das etwas angefeuchtete Goldstück überschattete von da an den restlichen Tag.

Wir zogen dann übrigens mit unseren Handtüchern um und schlugen ein neues Lager ein ganze Stück entfernt von der Brandung wieder auf. Die nassen Handtücher trockneten schnell und auch das iPhone wurde getrocknet und getestet. Es schien bis auf kleine Ausetzer einigermaßen ok, zu sein, aber die Sorge blieb.

Ich verkniff es mir vorsorglich das eigentlich fällige: “Ich hab es ja gleich gewusst” und “Hättest Du auf mich gehört, wäre das nicht passiert”. (Ich glaube Dirk hätte mich erwürgt ;-) )

So sonnten wir uns also weiter als sei nichts passiert. Nur eben ein wenig weiter weg vom Meer, weitherin ohne Sonnenschirm und keinerlei Anstalten nach Hause zu fahren.

So kam es wie es kommen musste:

Irgendwann stellten wir fest, dass wir uns wohl etwas zu selten mit der schützenden Sonnencreme eingeschmiert hatten. Wir wurden rot! Obwohl wir in den letzten Wochen häufig am Pool oder Meer gewesen waren und auch schon einen vorzeigbaren braunen Hautton angenommen haben, hätten wir uns doch mehr eincremen sollen. Die Sonne hier in Kalifornien ist halt doch etwas intensiver. Aber wer nicht hören will…

Wie die Anfänger! Echt! Als wüssten wir es nicht besser!

Also ging es nach Hause um die roten Stellen zu kühlen und uns selbst aus der Sonne zu nehmen. Keine Sonne bis auf Weiteres… Super!

Ich frage mich nur: When will we ever learn…

P.S. das iPhone funktioniert nach einer Nacht in einer Schale mit Reis übrigens wieder reibungslos. Nur die Kophörer haben das Bad im Pazifik nicht überstanden.

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Jun 03

Da das lange Memorial Day Weekend auch gleichzeitig das bisher wärmste Wochenende des Jahres war, ging es für uns Sonntag ans Meer.

Ziemlich schnell wurde uns klar, dass auch noch andere diese fantastische Idee hatten, denn wir standen im Stau.

Noch keine 10 Minuten unterwegs und schon ging es nicht mehr weiter. Na das konnte ja heiter werden. Kurz überlegt, was wir nun machen sollten, denn wir hatten beide keine Lust uns die nächsten Stunden quer durch die Berge zu quälen und dann den ganzen schönen Sonntag zu verpassen.

Zum Glück fiel uns eine Alternative ein, der Highway No.9. Von dieser Straße hatten wir erst kürzlich erfahren und obwohl unsere Gäste, die Hadnagys diesen Weg bereits erkundet haben, hatten wir bisher nicht das Vergnügen. Also warum nicht jetzt, dachten wir so bei uns. Diese Strecke dauert länger als der übliche Weg über den Highway 17, da er sich durch einsame Bergdörfer hindurch schlängelt, aber so konnten wir wenigstens fahren und standen nicht die ganze Zeit im Stau. Viele Serpentienen und auch nur eine Spur in jede Richtung versprechen ein sehr uriges Vergnügen auf dem Highway 9.

So kamen wir zum ersten Mal durch den wirklich hübschen Ort Saratoga durch und schlängelten uns so langsam durch die Santa Cruz Mountains.

Das war richtig toll. Von hier Oben hatten wir immer wieder einen super schönen Blick über die Bay Area, dann ging es in dichte Redwood Wälder, welche durch die zwischen den Zweigen hindurch schimmernde Sonne richtig zauberhaft aussahen.

Dann ging es durch klitzekleine Bergdörfer. Es ist schon sehr faszinierend, wie facettenreich die Bay Area doch ist. Da hat man zum Einen die eher europäisch anmutende Stadt San Francisco, die industrielle Gegend in der East Bay, eine Retortenstadt im Süden mit San Jose, das Silicon Valley mit dem Charme eines Gewerbegebietes und die Surfer- und Hippies Ecke am Pazifik. Und nun kommt wieder eine ganz anderes Amerika mit diesen kleinen Bergdörfern hinzu. Eigentlich kann man es gar nicht richtig beschreiben, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, in einem Amerika gelandet zu sein, wie ich es aus vielen Roadmovies bereits kennen gelernt habe. Eine Hauptstraße mit Liqour Store neben Liqour Store, einer Post, einem kleinen Supermarkt, einem Eisenwarenhandel und einer Bar. Sehr anders, aber auch sehr sehenswert (gut, wohnen wollte ich da nicht, aber hindurch fahren war ok).

Nach 1,5 Stunden hatten wir die “Überfahrt” nach Santa Cruz dann auch geschafft und weiter ging es in Richtung Norden auf dem Highway 1, bis wir am Pigeon Point Lighthouse angekommen waren. Hier gibt es nicht nur ein Hostel und einen Leuchtturm, sondern auch eine kleine schnuffige Bucht, wo man gemütlich Sonnenbaden kann, und der oft kalte Seewind von den Felsen abgehalten wird. Das war unser Ziel, und hier breiteten wir uns aus, in der Windstille direkt am Pazifik.

Herrlich! So sonnten wir uns gemütlich, aßen ein paar leckere Kirschen, welche wir auf dem Weg bei einem Bauern gekauft hatten, und hörten den Wellen zu.

Eine Gruppe von mehreren Eltern mit Kindern spielten zu unserer Unterhaltung Baseball und ab und an schwammen zwei Sea Otter und ein Sea Lion an uns vorbei.

Ein weiterer perfekter Tag an diesem langen Wochenende möchte ich meinen.

Dirk sah am Abend natürlich wieder wie ein Waschbär aus, nachdem er erneut lustige Streifenabdrücke von der Sonnenbrille im Gesicht hatte und ich habe mir die Zehen in eiskalten Wasser blau gefroren. Also alles wie immer :-)

Ziemlich erholt und glücklich kamen wir dann auch am Abend wieder daheim an und konnten uns auf einen weiteren freien, faulen Tag freuen.

California here we are :-)

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