Sep 13

Ein schwieriges Thema, aber auch dies gehört zu unserem Abenteuer “Leben in den USA” dazu und da es nun mal der 10. Jahrestag dieser unfassbaren und grausamen Terroranschläge auf die USA, welche die Welt für immer verändern sollten, war schreibe ich in diesem Jahr auch einmal darüber. Zumal ich auch mehrfach gefragt wurde, wie es denn hier sei zu diesem Jahrestag.

Ich habe natürlich die Berichterstattungen zum 10. Jahrestag in den deutschen Printmedien verfolgt und kann mir vorstellen, wie viele Sondersendungen, Sonderbeilagen etc es auch dort zu diesem Thema gegeben hat.

Dies war hier natürlich nicht anders. Anders als in den letzten beiden Jahren (seit ich hier wohne) “fühlte” es sich aber in diesem Jahr irgendwie anders an. Es gibt zwar immer zum 11. September hin dieverse Sondersendungen, man sieht die Bilder der brennenden WTC Türme und auch Schweigeminuten zum Gedenken an die Opfer. Aber irgendwie war es in diesem Jahr anders. Ja, es war mehr, da es ja der 10. Jahrestag war, aber es “fühlte” sich auch anders an.

Jedenfalls ging es mir so. Ich hatte das Gefühl, die Menschen sind wieder näher aneinander gerückt. Das Entsetzen über die Anschläge war plötzlich wieder so greifbar. Greifbarer als in den Jahrens zuvor – irgendwie.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich viele interessante Sendungen gesehen habe, die man in Europa möglicherweise nicht zu sehen bekommt. So gab es z.B. eine Sendung, welche die Familien von ein paar Opfern und Überlebenden aus dem WTC über deren Stunden in Angst, Verzweiflung, Hoffnung, Freude und Trauer interviewte. Gemeinsam war ihnen allen, dass ihre Lieben sich nach den Flugzeugeinschlägen noch telefonisch bei ihnen melden konnten, bzw Nachrichten auf deren Anrufbeantwortern hinterlassen konnten. Diese Stimmen zu hören, hat in mir das Geschehen wieder so lebendig werden lassen und das ganze Grauen kam wieder zurück. Vielleicht lag es auch daran, dass ich den eigentlichen Tag ziemlich mit der eigenen Geschichte beschäftigt war. Den just am 11. September 2001 befanden sich zum Zeitpunkt der Anschläge meine Eltern in einem Flugzeug auf dem Weg in die USA. So verbrachte ich Stunden damit, heraus zu finden, wie es ihnen geht, ob ihr Flugzeug ebenfalls entführt wurde, wo sie sich befanden, ob und wo sie landen sollten etc etc.

Bis sie dann letztendlich in der Nacht zum 12. September wieder wohlbehalten in Leipzig waren, hatte ich schon Stunden am Telefon mit Lufthansa, Familienmitgliedern und Freunden meiner Eltern verbracht.

Aber ich denke es geht den meisten Menschen so, dass sie ganz genau wissen, was sie am 11. September 2001 gemacht haben.

Überall im ganzen Land  wurden Gedenkfeiern abgehalten und Fahnen gehisst. Eine Verstimmung gab es allerdings, als sich herausstellte, dass die New Yorker Polizei und Feuerwehr nicht zur Gedenkfeier am Ground Zero eingeladen war. Nur diejenigen Polizei- und Feuerwehrleute, die selbst Familienmitglieder verloren hatten. Dies führte bei Vielen zu Unverständnis, was ich ehrlich gesagt gut verstehen kann. Immerhin sind es genau diese Leute, die beim (hoffentlich niemals stattfindenden) nächsten Mal wieder Kopf und Kragen riskieren werden. Aber so ist das wohl überall.

Hier gab es natürlich auch noch eine sichtbare Erhöhung der Alarmbereitschaft. Mehr Polizei, mehr Nervosität bei den “authorities” (wie man diese Leute auch gerne nennt) und natürich jede Menge verschärfter Sicherheitskontrollen.

Ich muss gestehen, ich selbst war froh an diesem Tag aus dem Silicon Valley raus zu kommen und ich wäre um nichts in der Welt über die Golden Gate Bridge gafahren. Ja, ich hatte Angst vor neuen Anschläge und ja, ich ärgere mich darüber, dass ich mich von dieser Angst habe anstecken lassen.

Und ja, ich habe mich auch darüber geärgert, dass ich ein paar Tage vorher ein mulmiges Gefühl in der Magengegend hatte, als zwei total verschleierte Frauen und ihre sehr bärtigen Männer in Santa Cruz Fotos geschossen haben. Wahrscheinlich waren das ganz nette Leute, Touristen die die Schönheit der Gegend bewundert haben, aber trotzdem, so kurz vor dem Jahrestag…

Es ist traurig, wirklich traurig.

Vielleicht habe ich auch deshalb mehr Angst, weil ich eben hier lebe, in dem Land das Ziel der Anschläge 2001 war, vielleicht lasse ich mich aber auch deshalb leichter von der Hysterie anstecken, ich weiß es nicht.

Ich bin letztendlich nur froh, dass es keine weiteren Anschläge gab und dieser Tag vorbei ist.

Nun beherrscht der Wahlkampf wieder die Schlagzeilen und Nachrichtensendungen. 1 Jahr vor den Präsidentschaftswahlen geht es hier schon richtig heiß her, denn es will ein Gegenkandidat von den Republikanern gefunden werden.

Aber über den Wahlkampf berichte ich dann ein ander Mal, denn dazu gibt es eigentlich jede Menge zu erzählen. Soweit nur, Wahlkämpfe hier sind ziemlich heftig, wenn nicht sogar wirklich krass und dazu sind die in Deutschland im Gegensatz wirklich höflich und nett im Umgang mit einander.

 

 

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