Sep 27

Point Reyes National Seashore ist ein auf einer Halbinsel gelegenes Naturschutzgebiet etwa 55km nördlich von San Francisco im Marin County und ein guter Ort für Wanderer, Vogelbeobachter und Mountain Biker.

Die Fahrt hierhin ist schon bemerkenswert, denn man fährt auf dem wundervollen Highway No.1 in Richtung Norden durch Wälder, an Lagunen vorbei, entlang der Pazifikküste und durch kleine verwunschene Orte. Hier liegt auch der wunderschöne Strand von Muir und die bei Wanderern beliebten Wälder der Muir Woods.

Nach ungefähr 30 – 45 Minuten Fahrt kommt man dann durch den Ort Olema. Lange Zeit dachte man, dass Olema das Epizentrum des großen Erdbebens von 1906 war, welches San Francisco fast völlig zerstörte, aber heute weiß man, dass das Epizentrum eher im Meer vor Daly City (etwas südlich von SF) lag.

Nichts desto trotz gibt es hier einen Earthquake Trail, welchen man entlang wandern kann und dann über die mit Pfosten kenntlich gemachte San Andreas Falte laufen kann. Eigentlich eher langweilig und wenig beeindruckend aber immerhin eine Möglichkeit mit einem Bein auf der Pazifischen und mit dem anderen auf der Nordamerikansichen Platte stehen zu können.

Die Point Reyes Halbinsel liegt nämlich auf der Pazifischen Platte, welche nach Norden driftet, während das restliche Kalifornien (und die USA) auf der Nordamerikansichen Platte langsam nach Süden wandert. Beide sind voneinander durch die San Andreas Falte getrennt. Und die ist es, die hier häufig zum Wackeln der Erde führt (aber es gibt noch jede Menge kleinere Spalten, die Ihr übriges dazu beitragen).

Olema war dann auch der erste Punkt auf unserer sonntäglichen Tour. Ich war ja schon bereits zum 3. Mal in dieser Gegend, aber ich habe sie noch nie mit Sonnenschein gesehen. Immer nur bewölkt, nebelig und mit Regen. Ich bin ja mal gespannt, ob ich es irgendwann noch einmal schaffe, Sonne hier sehen zu dürfen. Aber darauf konnten wir nicht warten, denn Stefan sollte am nächsten Tag wieder abreisen. Also ging es trotz schlechtem Wetter in Richtung Norden.

Nachdem wir uns den Earthquake Trail angeschaut hatten, sind wir dann weiter in Richtung Leuchtturm gefahren. Wir wussten ja, dass dieser sich ganz am äußersten Zipfel der Halbinsel befindet, aber es war dann doch ein ziemlich langer Weg dorthin (noch einmal gut 30 – 40 Minuten). Aber sehr spannend. Zunächst fährt man durch kleinere Siedlungen, Bäume und am Wasser entlang und dann geht es langsam etwas bergauf in kales Gelände mit alten (“historischen”) Farmen (die sahen vielleicht gruselig aus – da möchte ich nicht wohnen müssen), vielen Kühen und viel Gestrüpp.

Während wir so vor uns hin fuhren wurde dann der Nebel immer dichter und dichter. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Das war vielleicht eine Suppe. Man konnte kaum noch 10 Meter weit sehen. So passierte es denn auch, dass wir uns ziemlich erschrocken haben, als plötzlich so neben der Straße ein Reh stand. Einfach so. Kauend. Friedlich und ohne Scheu.

Hui, zum Glück ist das nicht vor das Auto gesprungen. Das hätten wir niemals rechtzeitig gesehen.

Von da an ging es etwas vorsichtiger weiter und wir konnten am Straßenrand immer wieder Rehe sehen, die sich in dem dichten Nebel wohl fühlten. Irgendwann tauchte dann plötzlich ein Parkplatz im Nebel auf. Überrascht stellten wir fest, dass noch ein paar Leute mehr, den Leuchtturm anschauen wollten. Vom Parkplatz aus geht es dann zu Fuß weiter. Zunächst ungefähr 1km über die Hochebene stapfen – im Nebel! Das Meer hörten wir zwar, sehen konnten wir es aber nicht. Das war schon lustig wie wir da so blind durch die Gegend liefen. Man konnte noch nicht einmal sehen, wohin der Weg führen würde.

Irgendwann kamen wir dann ein paar Gebäuden an. Ein Wohnhaus!!! und ein zum Leuchtturm gehöriges Gebäude mit nun einem Museum im Inneren.

Aber wo war der Leuchtturm? Hier jedenfalls nicht, aber wir konnten ja auch keine 10 Meter weit sehen.

Dann ein Schild! Auf dem Schild stand gelesen, dass man zum Leuchtturm eine Treppe hinabsteigen müsste, welche mehr als 300 Stufen habe. Der Abstieg sei in etwa so, als würde man ein 30 stockiges Hochhaus hinunter laufen. Na prost Mahlzeit. Wir sahen ja gerade mal die ersten 5 Meter von der Treppe. Wohin sie führte? Keine Ahnung. Wie steil sie war? Keine Ahnung. Alles schön im Nebel verschwunden.

Irgendwann tauchten dann schnaufende und nach Luft japsende Menschen aus der dichten Nebelsuppe auf, die tatsächlich runter – und wieder hoch! – gelaufen sind.

Deren Anblick bewog mich dazu, oben auf der “Aussichtsplattform” auf Dirk und Stefan zu warten, die tapfer die Herausforderung annahmen. Ich unterhielt mich derweil mit einer älteren Dame aus Chicago, welche mir ihre Heimatstadt als Ausflugsziel wärmstens empfahl. Während wir uns so unterhielten bemerkte ich plötzlich, dass sich der Nebel etwas gelichtet hatte. YAY!

Nun konnte ich das Meer sehen und sogar den Leuchtturm. Als ich mir die Treppe hinunter so betrachtete war ich ziemlich froh, dass ich mir das nicht angetan hatte.

Und schon zog der Nebel wieder zu. Haha! Immerhin ein kurzer Blick auf die Umgebung bevor alles wieder in der dicken grauen Suppe verschwand. Aber wie ich noch erfahren durfte, ist dieser Ort der Windigste am Pazifik und der Zweitnebeligste auf dem amerikanischen Kontinent.

Kein Wunder also, dass wir da durch die Suppe gefahren sind.

Schee wars aber dennoch.

Ach ja, die Herren kamen dann irgendwann mehr oder weniger erschöpft wieder oben auf dem Berg an und wir konnten unseren Ausflug beenden. :-)

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